Der Morgenzombie

Weckerbimmeln
reißt aus schönem Traume.
Die Ohren klingeln.
Es folgt Geraune.

Ächzend geht‘s in die Höhe.
Mit der Hand ein Schlag
ist’s End der Töne.
Nun beginnt der Tag.

Mit düstren Grabestönen,
lautem Jammern, lautem Stöhnen,
erfüllt er wie jeden Morgen
Körpers Pflicht und Sorgen.

Fertig angezogen und wenig heiter,
mit Ächzen schlurft er weiter,
vorbei an der Lade – Aufschrift „Tee“,
reißt weit den Mund auf, schreit: „KAFFEE!“

Nach einer Tasse, nach zwei, nach drei,
wird der Geist vom Schlafes Nebel frei.
Zieht los als Mensch, zieht los als Mann.
Doch morgen fängt er neu als Zombie an.

Hahnengesang

Früh morgens war’s, die Sonne kaum am Himmel,
da freute sich der Hahn, der Schlingel.
Kaum reckte zum Krähen er den Hals, den stolzen,
traf ihn auch schon ein Armbrustbolzen.
„Heut nicht, heut schlaf in Ruh ich weiter.“,
sprach der Bauer, war frohgemut und heiter,
mit Freud aufs Abendessen ging er zu Bett,
denn der Hahn war wohlgenährt und fett.
Und um draus eine Lektion fürs Leben noch zu schaffen:
Bist des Seins du nicht müd, dann lass mich schlafen!

Ode an die Nacht

Muss die Nacht denn Schrecken sein?
Ist nicht gerade dann die Freiheit mein?

Sie bietet Blick auf Lichtermeere,
ob am Himmel oder auf der Erde,
vom Menschen halb zum Tag verwandelt,
so wird sie doch als Nacht behandelt.

Lässt uns sein, wer wir sein wollen,
zwingt uns nicht in Alltags Rollen,
sagt nicht, was wir tun und lassen sollen,
sondern lässt uns nach Belieben tollen.

Kann ich nicht im Dunkeln gehn,
von neugiergen Augen ungesehn,
kann ich nicht gestalten meine Reise,
wie ich’s wünsch in Ziel und Weise,
bin ich dabei nicht ungestört,
mit Vorsicht gar ungehört?
Wozu Angst und Sorge vor der Nacht,
ist sie’s, die erst vieles möglich macht.

Ich bin Autor

Manchmal werde ich gefragt: Was tue ich?
Doch wichtiger ist: Was bin ich?
Hier meine Antwort:
Ich bin ein Träumer bei Tag,
ein Wanderer in der Nacht,
ich bin ein Entdecker auf fremden Ozeanen,
ein Erkunder unbekannter Länder,
ich bin ein Schöpfer neuer Kontinente,
Erbauer von Welten.
Ich bin viele,
doch auch bin ich einer,
ich bin alle,
und gleichzeitig keiner.
Ich bin Musiker,
mit Wörtern als Saiten,
mit Geschichten als Symphonien.
Ich bin ein Baumeister,
mit Gedanken als Bausteinen,
errichte Türme,
durchbreche Wolken,
reiche ins All.
Was ich bin?
Ich bin Autor.

Kreativität

Eine Idee nicht weg zu werfen,
sie nicht zu vergeuden,
sondern in den eigenen Verstand einzusetzen,
wie einen Samen in Mutter Erde,
sie zu lieben und zu pflegen,
sie wachsen und gedeihen zu lassen,
bis sie zu einer vollkommen neuen Welt gereift ist,
einer Welt voller Wunder,
einer Welt voll Licht und Schatten,
einer Welt voll möglicher Unmöglichkeiten,

das ist Kreativität