Bakk-1-Arbeit: Berichterstattung zu Fantasy und Science Fiction – Exposé

Einleitung

Avatar, Game of Thrones, Star Wars, Star Trek, Stargate, Battlestar Galactica, … Werke der Genres Fantasy und Science Fiction erfreuen sich großer Beliebtheit – egal ob als Bücher, Kino- bzw. Fernsehfilme, Serien, Computerspiele oder gar mehr oder weniger klassische Spiele mit Würfeln und Spielbrett. Beide Genres sind bei weitem nichts Neues; immerhin haben J. R. R. Tolkien den „Herrn der Ringe“ in den 1950ern und Jules Verne über hundert Werke sogar im 19. Jahrhundert veröffentlicht.

Doch so beliebt die Stilrichtungen auch bei vielen Menschen sind – die Verkaufszahlen sprechen für sich – werden sie von den Anhängern der „alten Meister“ wie Goethe und Schiller häufig belächelt und herabgewürdigt. Ein beliebter Vorwurf von dieser Seite ist, Fantasy und Science Fiction regen zu Eskapismus (Realitätsflucht) an.

Aber auch Organisationen wie die Katholische Kirche und teils ganze Staaten reagieren auf manche Werke mit Protest und Empörung; und manchmal stößt sogar diese Empörung auf Empörung. Zum Beispiel Äußerungen des Windischgarstner Pfarrers Gerhard Maria Wagner, Harry Potter würde zum Satanismus verleiten. Oder als China sich durch das imperialistische und ausbeuterische Gehabe der menschlichen Kolonisten im Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ kritisiert sah.

Stellt sich die Frage: In welchem Licht stellt die Berichterstattung von Medien die beiden Genres heutzutage dar? Wie sah die Berichterstattung beim Auftreten der Genres aus? Hat sie sich seit damals verändert und falls ja: wie hat sie sich verändert?

Zu diesem Zweck wurden Artikel von englisch- und deutschsprachigen Zeitungen mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse untersucht. Allerdings war es nicht allzu leicht, Artikel aus dem 19. Jahrhundert zu Jules Vernes Werken zu finden, weswegen das Hauptaugenmerk auf der Print-Berichterstattung des 20. und Anfang 21. Jahrhunderts liegt.
Außerdem wird am Anfang der Arbeit betrachtet, was eigentlich überhaupt Fantasy und Science Fiction sind, was das jeweilige Genre auszeichnet, worin sie sich unterscheiden und worin sie sich manchmal auch überschneiden. Um dabei möglichst verständlich zu bleiben, wird auch auf Beispiele bekannter Filme und Bücher eingegangen.

Was sind Fantasy und Science Fiction?
„Den drei Genres Fantasy, Science Fiction und Horror ist der Oberbegriff des Fantastischen gemeinsam, […] Die Konzeption fantastischer Geschichten erfolgt anders als die realistischer Geschichten, wozu man etwa Genres wie Drama, Melodram, Komödie, Krimi und Thriller zählen würde. Während diese von ihrem Wirklichkeitsbezug leben, also eine genaue Beobachtung des Alltäglichen, für jeden Menschen Nachvollziehbaren präsentieren, leben fantastische Geschichten von der Imagination – sowohl des Schreibenden, als auch des Lesenden, Zuschauenden oder Spielenden. Den Reiz machen die erfundenen Elemente aus.“ (Melzener 2010)

Obwohl Melzener von drei Genres der Fantastik spricht, werden hier nur zwei näher behandelt – warum? Zum einen würde es den Rahmen dieser Arbeit sprengen, zum anderen kann Horror leichter von den beiden anderen Genres Fantasy und Science Fiction – kurz Sci-Fi – unterschieden werden, als diese beiden voneinander. Viele haben eine Faustregel: Fantasy spielt in der Vergangenheit, Sci-Fi in der Zukunft. Diese schöne Regel ist einfach und simpel – vor allem jedoch ist sie ungenau.

Ein Grund dafür ist, dass Vergangenheit und Zukunft etwas rein Subjektives sind. Die Mondlandung liegt mit 1969 aus heutiger Sicht (2012) längst in der Vergangenheit; für Jules Verne jedoch war seinerzeit im 19. Jahrhundert eine Mondlandung eine utopische Zukunftsfantasie, die in damaligen wissenschaftlichen Kreisen bestenfalls belächelt wurde. Ebenso das U-Boot Nautilus in „20.000 Meilen unter dem Meer.“ Eine Weltumrundung in nur 80 Tagen schien damals im Zeitalter der Dampfschiffe schon sehr weit hergeholt; dass es heute per Flugzeug innerhalb von 24 Stunden möglich sein könnte, wagte nicht einmal Jules Verne sich zu erträumen.

Es ist allerdings äußerst schwierig und ab einem gewissen Grad auch nicht mehr sinnvoll, die beiden Genres genau definieren und klar voneinander abgrenzen zu wollen. (Vgl. Experteninterview mit Leo Lukas)

Hier trotzdem ein Versuch, zu erklären, worum es bei den Genres geht und wie man sie voneinander unterscheiden könnte:

Fantasy

Wesentliches Element der Fantasy ist unter anderem, dass die Geschichten dieses Genres entweder in Welten spielen, die zwar vollkommen erfunden sind, aber dennoch Bekanntes aus unserer realen Welt wiederspiegeln können. Oder sie spielen auf eine Weise, die in unserer Welt unmöglich ist. J. R. R. Tolkiens Mittelerde ist wohl eines der bekanntesten Beispiele für Fantasy in fiktiven Welten, während Harry Potter auf der guten alten Erde den Zauberstab schwingt. Dieser ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der die Fantasy ausmacht: Zauberei, Magie, die Macht – kurz gesagt: das Übernatürliche wie magische Schwerter, Zauberer, wie von Geisterhand schwebende Gegenstände und so weiter. (Vgl. Clute 1993 (1))

Sofern derartige übernatürliche Elemente vorkommen, kann die betreffende Geschichte meist Fantasy oder Horror zugeschrieben werden. In Fantasy sollen sie jedoch einen großen epischen Rahmen erschaffen und eine gewisse Faszination ausüben. Oft läuft es dabei auf eine große Konfrontation zwischen Gut und Böse hinaus. Im Horror dagegen ist das Übernatürliche meist Teil jenes Bösen, das die Protagonisten heimsucht und peinigt und es dient überwiegend dem Zweck, Angst und Ekel beim Leser oder Zuschauer hervorzurufen. Die Hauptpersonen hingegen müssen sich oft mit irdischen Waffen und Methoden behaupten. Ein bekanntes Beispiel dafür findet man in Dracula-Geschichten: Der Vampir kann fliegen, sich verwandeln, Menschen telepathisch kontrollieren, usw., während die Menschen auf Holzpflöcke, Knoblauch, Silber oder auch nur auf die Sonne zurückgreifen müssen.

„Wichtig ist dabei der gekonnte Rückgriff auf den weltweiten Mythen- und Legenden-Fundus, den die Konsumenten seit ihrer Kindheit kennen. Das Genre ist per se rückwärtsgewandt und spielt mit den historischen und spirituellen Überlieferungen der Menschheitsgeschichte.“ (Melzener 2010)

Auch wenn nun der Eindruck entstanden sein könnte, Fantasy spiele tatsächlich stets in der Vergangenheit, ist das bei weitem nicht immer der Fall. Harry Potter, die Trilogie „His Dark Materials“ und die „Twilight“-Saga spielen alle nicht nur (zumindest teilweise) in unserer Welt, sie spielen auch zu unserer Zeit. „Star Wars“ hingegen spielt in einem Zeitalter der interstellaren Raumfahrt und anderen faszinierenden technologischen Errungenschaften. Diese sind der Grund, warum die Saga oft rein dem Science Fiction zugerechnet wird, was nicht ganz richtig ist.

Ein letzter wichtiger Bestandteil ist das bereits angesprochene Heldenepos. Der Ablauf dürfte vielen bekannt vorkommen: Ein oft junger unerfahrener Held (z.B. Frodo Beutlin oder Luke Skywalker) verlässt seine vertraute Umgebung (das Auenland oder der Wüstenplanet Tatooine), begleitet und beraten von einem weisen Mentor (Gandalf oder Obi-Wan Kenobi), erhält allerlei Lektionen und Gaben und bestreitet große weltverändernde Abenteuer, um das große und übermächtige Böse ( Sauron oder das Imperium) zu bezwingen. (Vgl. Vogler 2007)

Science Fiction

„Im Science Fiction-Genre ist das erfundene Element die visualisierte Utopie, also der Zukunftsentwurf einer Gesellschaft mit allen technischen und sozialen Wandlungen. Die Imagination des Science Fiction-Autors entspringt der Vorausplanung, ja gewissermaßen der Fähigkeit zur Prophetie. Er versucht zu antizipieren, was die Zukunft bringt und je realistischer und treffender der Entwurf ist, umso größer der künstlerische Erfolg der Erzählung. Die Welt wird dabei nicht neu erfunden – ein bemerkenswert hoher Prozentsatz von Sci-Fi-Stories spielt auf unserer guten, alten Erde – sondern die vorhandene Welt wird vielmehr ergänzt.“ (Melzener 2010)

Obwohl es keine einheitliche und absolut klare Definition von Science Fiction gibt, hat Melzener es im obigen Absatz geschafft, kurz und bündig einige der charakteristischen Grundzüge anzuführen. Allerdings gibt es auch viele Werke der Science Fiction, die nicht in der „Zukunft“ spielen. Wie gesagt, sind „Zukunft“, und „Vergangenheit“ als Handlungszeiträume von Geschichten lediglich eine Frage der Perspektive der Gegenwart. 1968 war die Mondlandung noch ein Zukunftstraum, 1970 bereits Vergangenheit. In Stargate SG-1 bereisen Teams der US-Airforce im Zeitraum von 1997 bis 2007 andere Planeten und bekämpfen der Erdbevölkerung feindlich gesonnene Außerirdische. Seit 2006 wird in der Sci-Fi-Serie Eureka in einer gleichnamigen Kleinstadt mit waghalsigen Experimenten geforscht, bedrohliche Krisen entstehen dabei und werden von den Hauptcharakteren oft in letzter Minute wieder gelöst – alles Science Fiction, die nicht in der Zukunft spielt.

Der Kern der Sci-Fi sind also technische und gesellschaftliche Was-wäre-wenn-Geschichten in einem mehr oder weniger naturwissenschaftlich möglichen Rahmen.
Über die Details – was genau ist Science Fiction und was nicht? – wird nach wie vor unter Wissenschaftlern, Autoren, Verlegern, Produzenten und Fans diskutiert, wenn nicht gar gestritten. Eine baldige Einigung auf eine glasklare und allgemeingültige Definition ist nicht zu erwarten. (Vgl. Clute 1993 (2))

Natürlich gibt es zahlreiche Überschneidungen der beiden Genres, teils verschwimmen die Grenzen vollkommen. „Star Wars“ kann auch der Fantasy zugerechnet werden; fiktive Welten, übernatürliche Kräfte, Heldenepos. Gleichzeitig ist die Technologie in den Filmen sehr weit fortgeschritten. Es gibt Laser-Waffen, Raumschiffe, ganze Weltraumschlachten, intelligente Roboter (Droiden genannt), weshalb „Star Wars“ genauso gut Science Fiction sein könnte.

Allgemeingültig bei der Unterscheidung zwischen Fantasy und Science Fiction ist jedoch:

„Diese Zuordnung ist schwierig und teilweise auch willkürlich.“ (Leo Lukas 2012; Experteninterview)

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Für alle, die der Rest der Bachelor-Arbeit interessiert:

BAKK-1-Arbeit – Berichterstattung zu Fantasy & Sci-Fi

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